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02:38:00h - 30.07.2010 |
Bau eines Radioteleskop |
Ephemeriden im Online-Planetarium |
Die Radioastronomie ist jenes Teilgebiet der Astronomie, welches astronomische Objekte im
Radiowellenbereich beobachtet und untersucht. Da natürliche Quellen Radiowellen ausstrahlen,
ermöglicht die Radioastronomie die Beobachtungsmöglichkeiten auf einen weiteren Spektralbereich
und den damit verbundenem Erkenntnisgewinn. Eigentlich den professionellen Astronomen
vorbehalten, bestehen auch für den Amateur Möglichkeiten für radioastronomische Beobachtungen
des Himmels. Während es im Bereich der optischen Astronomie eine breite Auswahl an industriell gefertigten
Teleskopen zu kaufen gibt, muss das Konzept für ein Radioteleskop selbst entwickelt und verwirklicht werden.
Diese Disziplin ist unter Amateurastronomen äußerst spärlich vertreten und so gibt es nur wenige
(internationale) Vereine, wie den European Radio Astronomy Club
oder die Society of Amateur Radio Astronomers,
die sich diesem Interessensgebiet widmen.
Im Folgenden soll der Aufbau eines einfachen und mobilen Radioteleskops für den Amateurbereich
beschrieben werden, dessen Ziel die Beobachtung der 21 cm Linie ist. Die 21 cm
Linie ist das Resultat des Hyperfeinstrukturübergang des Wasserstoffgrundzustands zwischen den
Quantenzahlen des Gesamtdrehimpuls. Ihre Frequenz liegt bei 1420,4058 MHz, was in etwa
den namensgebenden 21 cm als Wellenlänge entspricht. Vereinfacht gesprochen ist das die Frequenz, bei der neutrales
Wasserstoff Radiowellen emittieren kann. Da Wasserstoff das mit Abstand häufigste Element Universum ist,
ergeben sich breite Beobachtungsmöglichkeiten.
| Antenne | Verstärker | Spektrumanalyser | Computer | |||
Das folgende Radioteleskop wird dabei obigem Blockschema folgen. Die Antenne wandelt dabei
die eingehenden Radiowellen in eine Spannung. Anschließend wird ein Verstärker das
äußerst schwache und bis dato kaum weiterverarbeitbare Signal verstärken. Das nun aufbereitete
Signal wird einem Spektrumanalyser zugeführt, der es in seine Teilfrequenzen zerlegt und die
Intensität des Signals in Abhängigkeit der Frequenz bestimmen kann. Mittels PC Schnittstelle werden nun
diese Informationen an einen Computer übergeben, der die Spektren aufzeichnet, schließlich mittelt und
zur weiteren Auswertung bereitstellt. Das Resultat ist ein Diagramm, bei der die Intensität über der
Frequenz aufgetragen ist und die neutrale Wasserstofflinie als spitzes Intensitätsmaximum sichtbar sein sollte.
Die verwendete Helixantenne mit 15 Windungen und 13 dB Gewinn über dem Dipol.
Der Anschluss zum Verstärker erfolgt über eine N-Buchse.
Beginnen wir mit der Antenne. Diese sollte die größtmöglichste Verstärkung (engl. Gain) und eine
minimale Winkelauflösung bieten. Dazu verwendet man in der Regel Parabolspiegel, wie sie privat auch
für den Empfang von TV über Satellit benutzt werden. Professionelle Astronomen nutzen hierbei Spiegel
mit einem Durchmesser von bis zu 100 m. Im Amateurbereich kommen dagegen aus Platz und Kostengründen selten
größere Spiegel als 3 m zum Einsatz. Für unsere Zwecke wäre auch eine handelsübliche 1 m Satellitenschüssel
problemlos einsetzbar. Um die Portabilität aber weiter zu erhöhen soll im Folgenden jedoch eine Helixantenne zum Einsatz
kommen, die bei vergleichbar geringen Ausmaßen eine akzeptable Verstärkung bietet. Sie hat mit 15 Windungen
eine Verstärkung von ungefähr 13 dBd, exzellente Transportmöglichkeiten aber dafür wie zu erwarten
eine schlechte Winkelauflösung.
Der Vorverstärker für die 21 cm Wasserstofflinie.
Rechts sind die zwei Anschlüsse für die Spannungsversorgung zu erkennen.
Als Verstärker wird der rauscharme Vorverstärker SLN 1420 der SSB Electronic GmbH verwendet. In diesem
Fall besitzt er ein Rauschmaß von 0,566 dB und eine Verstärkung von 28 dB. Die Bandbreite liegt bei 40 MHz
(-3 dB). Es besteht die Möglichkeit zur externen Spannungsversorgung mittels 12 V - 15 V,
so dass eine zusätzliche Einspeisung in ein Koax-Kabel entfällt.
Zu Testzwecken auf dem Balkon aufgebautes Equipment
für erste Beobachtungen galaktischen Wasserstoffs.
Da Spektrumanalyser sich in der Regel in sehr hohen preislichen Regionen aufhalten, kommt ein Breitband-Handspektrometer
zum Einsatz. Obwohl dieser eigentlich für die Beobachtung zur Einhaltung von Grenzwerten elektromagnetischer Strahlung
entworfen wurde, lässt er sich dennoch auch - mit Einbußungen - für dieses enge Frequenzband einsetzen. Die Verbindung zwischen
Verstärker und Spektrometer wird mittels eines SMA-Kabels hergestellt, die PC Verbindung via USB.
Spektrum der neutralen Wasserstofflinie bei 1420 MHz ± 2 Mhz bei einer Frequenzauflösung von 80 kHz mit 50 Kanälen.
Für den Graphen wurden insgesamt ungefähr 350 Spektren von 6h Beobachtungen gemittelt.
Trotz der kleinen Antenne gelingt es ohne größere Probleme die Wasserstofflinie abzubilden. Hierzu werden über einen
Zeitraum, idealerweise nachgeführt, eine Menge von Spektren des zu beobachtenden Himmelsabschnitts aufgenommen.
Anschließend wird ähnlich wie bei der optischen Astrofotografie die Datensätze gemittelt, um das Rauschen zu minimieren und das
Signal-Rausch-Verhältnis anzuheben. Neben Beobachtungen der galaktischen Ebene ist außerdem die Beobachtung der
Sonne und des Mondes denkbar.
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© 2006 - 2010 Christian Zielinski — Alle Rechte vorbehalten
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